Hatha-Yoga

Yoga ist ein jahrtausendealtes System, welches in Indien entwickelt wurde und mittlerweile im Westen sehr populär geworden ist. Weniger bekannt ist, dass es sich beim Yoga nicht nur um eine körperliche Betätigung zur Entspannung und zur Steigerung des Wohlbefindens handelt, sondern um die philosophische und psychologische Schulung des Körpers und des Geistes. Im Mittelpunkt steht eine tiefgreifende Wandlung, die den innersten Wesenskern ergreift und zu einem neuen Verständnis von sich und der Welt verhilft.

Einer der berühmtesten gegenwärtigen Yogalehrer, B.K.S. Iyengar, dessen Yoga-Stil im Westen weit verbreitet ist, zitiert und erläutert in seinen Vorträgen und in seinem Unterricht häufig die Yogasutren von Patanjali, der Yoga definiert als „yogas citta vrtti nirodah“, was mit dem „Zur Ruhe kommen des Geistes“ übersetzt wird. Der Weg, den Patanjali empfiehlt, setzt sich aus acht Bausteinen zusammen, beginnend mit ethischen Richtlinien über die Körperhaltungen (Asanas) und Atemübungen (Pranayama) bis hin zur Meditation.

B.K.S. Iyengar setzt den Schwerpunkt auf die Praxis der Körper- und Atemübungen und lässt die anderen Teile des achtfachen Yoga-Pfades einfließen. Er betont die Vervollkommnung der Asanas deswegen, „weil der Körper das Instrument ist, durch das wir wahrnehmen und handeln. (...) Für mich heißt Asana: Festigkeit im Körper, Stetigkeit im Geist und Wohlwollen im Bewusstsein.“ Er definiert Asana folgendermaßen: „Asana ist der Prozess, eine Haltung einzunehmen und sie immer wieder zu verfeinern, wodurch der Geist den Zustand der Ruhe erreicht, in dem er seine nach innen und außen gerichteten Bewegungen ins Gleichgewicht bringt.“ Seine Tochter Geeta schreibt: „Um Veränderungen in dir selbst hervorzurufen, müssen die Asanas auf eine Art und Weise ausgeführt werden, dass eine Durchdringung jedes Körperteiles, sämtlicher Geistesaspekte und jedes Funken des Verstandes stattfindet.“

B.K.S. Iyengar hat in jahrzehntelanger intensiver Auseinandersetzung die Asanas praktiziert und detailliert erforscht, wodurch er zu Erkenntnissen über die anatomisch-physiologische Ausrichtung der Haltung sowie über die Wirkung der Asanas gelangte. Um es allen SchülerInnen zu ermöglichen, ein Asana einzunehmen, ist es manchmal notwendig, die Haltung in kleine Schritte aufzuschlüsseln. Gegebenenfalls werden Hilfsmittel wie Gurte, Klötze oder Polster eingesetzt: Zum einen werden dadurch die SchülerInnen unterstützt, in die korrekte Haltung zu kommen, zum anderen in einer Haltung länger zu verweilen. Die präzisen Anleitungen verhelfen zu einer exakten Ausrichtung in der Haltung und zu einer Vertiefung der Körperwahrnehmung. Die Haltungen sind nicht als statisch zu betrachten, sondern es wird die Erforschung und Verfeinerung der körperlich-geistigen Ebenen im Asana angeregt, um die Haltung mit der eigenen Lebendigkeit füllen und erfahren zu können.

Die kontinuierliche Praxis des Yoga bringt Wohlbefinden und kann als gesundheitsförderliche und präventive Maßnahme betrachtet werden. Darüber hinaus bietet Yoga einen ganzheitlichen Ansatz, um die psycho-mentalen Bewegungen zur Ruhe kommen zu lassen und so den tiefsten Wesenskern zu berühren.

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